Im Zweifelsfall kann es um das Leben gehen

Neuordnung der stationären Notfallversorgung im Blick

Foto: Kattinger Foto: Kattinger

Löninger Bundestagsabgeordnete Silvia Breher lädt Krankenhausexperten zu Fachgespräch ein – Zwölf Häuser mit 2.605 Betten und 6.500 Mitarbeitenden – Kritik an geplanter Änderung bei Notfallversorgung

Vechta (LCV) Ihre Sorgen im Blick auf die geplante Gesetzesänderung bei der Notfallversorgung haben Verantwortliche der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Krankenhäuser im Bereich des Landes-Caritasverbandes für Oldenburg am Montag, 18. Juli, der CDU-Bundestagsabgeordneten Silvia Breher (Löningen) auf deren Einladung hin mitgeteilt.

Zwar seien die oldenburgischen Kliniken grundsätzlich bereit und im Zweifelsfall selbstverständlich dazu verpflichtet, Notfallpatienten zu behandeln. Dies müsse dann jedoch angemessen vergütet werden, so der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft, Prof. Dr. Martin Pohlmann, im Vechtaer Haus der Caritas.

Geplant sei für den Beginn des kommenden Jahres ein vierstufiges System, das angefangen bei der Nichtteilnahme einer Klinik über eine Basisvariante über die erweiterte bis hin zur umfassenden Notfallversorgung reiche.

Von den rund 2.000 Krankenhäusern in Deutschland würden vermutlich 700 die erste Stufe der Basisnotfallversorgung nicht erreichen, warnten die Krankenhaus-Experten. Dadurch könnten im Blick auf die Notfallversorgung weiße Flecken auf der Landkarte entstehen.

Der Grund: Bereits für die unterste Stufe der Versorgung bei akuten Erkrankungen brauche es große bauliche Vorgaben. Erforderlich seien Ärzte, die an sieben Tagen die Woche 24 Stunden lang überwiegend in der Notfallaufnahme arbeiteten. Diese bräuchten spezielle Qualifikationen, die es derzeit in Niedersachsen noch gar nicht gebe, bemängelten die Verantwortlichen. Nur 70 Häuser bundesweit würden das höchste Niveau erreichen.

„Im Zweifelsfall kann es sehr existentiell für die Patienten werden“, so Kirsten Habbinga, Oberärztin im Bereich der Notaufnahme am Oldenburger Pius-Hospital.

Auch Anforderungen der Stufe zwei wurden kritisiert: Hierfür müssten Notfallpatienten innerhalb von zehn Minuten in bestimmte Schweregrade eingeteilt sein, was im Alltag einer Notfallaufnahme nicht immer möglich sei.

Wenn die Notfallversorgung in kleineren Häusern wegfalle, würden dadurch die in größeren Kliniken weiter verstopft, fürchtet der Chefarzt der Chirurgie, Gustav Peters (Damme).

Eine „Misstrauenskultur“ gegenüber den Krankenhausträgern als Leistungserbringern sowie eine „überbordende Bürokratie“ beklagte der Geschäftsführer des Cloppenburger St. Josefs-Krankenhauses, Lutz Birkemeyer.

Die grundsätzliche Sorge aller Kliniken: Dass auf dem Rücken des Qualitäts-Arguments weitere kleinere Kliniken, zu denen die oldenburgischen überwiegend zählen, geschlossen werden sollten.

Sich im Gegensatz dazu weiter „entschieden für attraktive und lebenswerte ländliche Räume einzusetzen“, versprach die Bundestagsabgeordnete Breher. „Dazu gehören selbstverständlich sowohl leistungsfähige Krankenhäuser als auch eine gut funktionierende hausärztliche Versorgung", betonte die Bundespolitikerin gegen Ende des Gesprächs.

Zur Arbeitsgemeinschaft zählen neun katholische Krankenhäuser aus dem Oldenburger Land. Weitere drei Kliniken haben Gaststatus in der Arbeitsgemeinschaft.

Alle zwölf Häuser verfügen zusammen über 2.605 Betten und behandeln pro Jahr 123.000 stationäre sowie weitere 325.000 ambulante Patienten. Sie beschäftigen rund 6.500 Mitarbeitende und haben einen Jahresumsatz von 520 Millionen Euro.

verfasst von Dietmar Kattinger (LCV), 19.06.2018

Nach oben